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Pflegeprodukte aus eigener Herstellung – schnell, simpel und umweltschonend

Jeder kennt es. Mann bzw. Frau steht vor dem prall gefüllten Regal im örtlichen Drogeriemarkt und weiß gar nicht so recht, für welches Produkt er/sie sich entscheiden soll. Für die besonders Umweltbewussten unter uns mag die Qual der Wahl geringer ausfallen – so verfügen bislang fast ausschließlich Hersteller ausgewählter Naturkosmetik über zuverlässige Bio- und Vegan-Siegel. Dafür müssen die Verbraucher*innen wiederum umso tiefer in die Tasche greifen.

Warum also nicht mal den Versuch wagen eigenes Deodorant, Lippenbalsam und co. zusammen zu stellen?  Das dachten sich auch die 13 Teilnehmer*innen der Veranstaltung „DIY – Pflegeprodukte“, die am 24. Februar in der Küche der Alten VHS abgehalten wurde. Dort hatten Interessierte die Möglichkeit unter Anleitung von drei sehr versierten Kursleiterinnen zu erlernen, wie einfach sich Beauty-Produkte im Selbstversuch herstellen lassen. Aufgeteilt in Dreiergruppen und im routierendem Verfahren hatte so jede*r die Möglichkeit jedes Produkt zu kreieren. Doch bevor Kochplatte, Pfannenheber und co. zum Einsatz kommen können, gilt erstmal eine sorgfältige Vorbereitung. Flaschen, Gläser und Tiegel, in die die Produkte abgefüllt werden sollen, müssen zuvor keimfrei gemacht werden. Das gelingt am besten, indem man sie mit einem in Alkohol getränkten Tuch auswischt. Ist die Vorarbeit getan, geht‘s – im wahrsten Sinne des Wortes – ans Eingemachte.

Als erstes lernten die Teilnehmer*innen, dass Fett bzw. Öl die Ausgangsbasis für so ziemlich jedes der DIY-Produkte darstellt. Ob nun Oliven- oder Mandelöl richtet sich nach dem eigenen jeweiligen Geschmack.

Besonders leicht lässt sich beispielsweise Sprühdeodorant herstellen. Dafür werden lediglich Wasser und Natron benötigt– ein universal einsetzbares Back- und Triebmittel. Für den angenehmen Duft können wahlweise ein paar Tropfen ätherisches Öl hinzugefügt werden. Die Teilnehmer*innen konnten dabei zwischen frischen Noten wie Zitrone, Bergamotte und Lemon Grass wählen. Wer es etwas ausgefallener mochte, der wurde bei Zimt, Lavendel und Ingwer fündig. Während die Liebhaber exotischer Düfte sich an Teebaumöl, Geranie und Ylang Ylang versuchten. Eine interessante Fußnote: auf ganz ähnliche Weise lässt sich ein so genannter Ölauszug herstellen. Bei dieser alternativ-medizinische ayurvedische Methode wird der Mund mit Pflanzenöl gespült, um diesem Giftstoffe zu entziehen und so Krankheiten zu heilen. Diese spezielle Lösung lässt sich aus diversen Pflanzenarten herstellen. Als persönliche Empfehlung nannte Kursleiterin Catalina beispielsweise Gänseblümchen und Ringelblume (Calendula).

Bei der Herstellung von so genannter „Shea-Whip“ wird die Sache schon etwas komplexer. Der wohlklingende Name für die Körperpflege setzt sich aus dem Wort ‚Sheabutter‘ und dem englischen Ausdruck für ‚(steif) schlagen‘ zusammen. Wie auch schon beim DIY-Deo, kann der Geruchsneutralität mit Lavendel-, Lemongrass- oder Rosmarinöl entgegen gewirkt werden.

Zwischen verschieden Phasen des Erhitzens, Kaltstellens und mehrmaligen Aufschlagens mit dem Handmixer, ist das Werk nach ca. 1 ½  Stunden vollbracht.  Die Rezeptur lässt sich auch noch durch weitere Komponenten, wie Lorbeeröl, Calendula- oder Aloe Vera-Extrakt und Vitamin E-Öl erweitern. Wobei ersterem sogar eine anti-rheumatische Wirkung nachgesagt wird, während der Ringelblume hautverjüngende Eigenschaften zugesprochen werden. Als Faustregel gilt: da Aloe Vera hauptsächlich aus Wasser besteht, zersetzt sich durch die Zugabe das Produkt schneller. Im Gegensatz dazu sorgt das Einrühren von Vitamin E für eine längere Haltbarkeit.

Eine Variante zu diesem Pflegemittel ist die Lotion für Gesicht und Körper. Da hier keinerlei Konservierungsstoffe zum Einsatz kommen, ist sie ideal für beide Körperpartien geeignet. Ihr Fundament bildet ein Gemisch aus Mandel- oder Jojobaöl und Bio-Bienenwachs. Ein besonderes Gimmick ist die Beigabe von so genanntem Rosen- oder Orangenblütenwasser. Erhältlich sind die Wässerchen in Reformhäusern, Apotheken und orientalischen Lebensmittelläden. Frauen in Indien und Iran wissen schon lange um die besondere Wirkung dieses Naturprodukts. Der Alleskönner hat nicht nur einen angenehmen Duft, sondern hat auf die Haut auch eine feuchtigkeitsspendend, beruhigende und antibakterielle Wirkung. Die fertige Lotion sollte wie alle anderen Mittel auch im Kühlschrank aufbewahrt und im Falle von Verzicht von Vitamin E, relativ zügig, d.h. etwa innerhalb eines Monats, aufgebraucht werden.

Neben den Grundkomponenten Olivenöl, Kakao- bzw. Sheabutter und  Blütenölen, wird die Rezeptliste um Bienenwachs und Honig erweitert. Besonders wichtig ist hierbei die Verwendung von Bio-Wachs, weil sich im herkömmlichen Produkt oft giftige Rückstände und Antibiotika anreichern. Wer möchte, kann ein paar Tropfen Propolis-Tinktur für eine antibakterielle Wirkung hinzufügen. Dabei handelt es sich um eine von Bienen hergestellte harzartige Masse, auch Kittharz genannt. Nachteil hier ist, dass ca. fünf Prozent der Menschen eine allergische Wirkung auf eine äußere Anwendung zeigen.

Neben weichen und gepflegten Lippen, wollen natürlich die Zähne auch nicht zu kurz kommen. Zur absoluten Basismischung von selbstgemachter Zahnpasta zählen die Bestandteile Kokosöl und Natron. Mit allen weiteren lässt sich je nach Gusto experimentieren. Das geht beispielsweise mit Pfefferminzöl (auch möglich mit Zitrone-, Zimt-, Ingwer-, Teebaumöl) und Xylit, einem aus Holz extrahiertem Birkenzucker (Zellulose). Wem dabei nicht ganz wohl ist, dessen schlechtes Gewissen lässt sich mit dem Verweis auf Holz aus nachhaltiger europäischer Landwirtschaft auf der Verpackung beruhigen. Daneben lassen sich optional gemahlene Nelken und Kurkuma hinzufügen.

Einziger Kleiner Haken ist der stark färbende Charakter des Gewürzes, was ohne die entsprechende Vorsicht zu Flecken auf der Kleidung führen kann. Außerdem muss damit gerechnet werden, dass die Zahnbürste sich gelb einfärbt und möglicherweise auch das Waschbecken – vor allem bei unregelmäßiger Oberfläche z.B. durch Risse und dergleichen.

Wen das nicht weiter stört, der/die kommt bald in den Genuss von natürlich weißen Zähnen, frei von Kaffee- und Teerückständen. Dieser schonende Poliereffekt ist um einiges gesünder als jegliches Bleich-Versprechen von industriellen Zahncremes. Für einen zusätzlich angenehmen Nebeneffekt empfiehlt sich das Verwenden von Heilerde oder Schlammkreide (Calciumcarbonat) z.B. aus Rügen.

Neben ihrer Essbarkeit, ist eine weitere positive Eigenschaft ihre sehr hohe Absorptionsfähigkeit bei Giftstoffen. Deshalb wird sie beispielsweise zur Einnahme bei Magen-Darm-Problemen empfohlen. Selbstgemachte Zahnpasta ist sehr temperaturempfindlich, ist es kühl, verfestigt sie sich. Vor allem wenn Heilerde beigefügt wurde. Bei sehr warmen Außentemperaturen, bekommt sie wiederum eine sehr flüssige Konsistenz.

Für alle DIY-Mittel gilt auf die zugehörigen Gefäße zum Schluss ein Etikett mit den Inhaltsstoffen und dem Datum der Herstellung anzubringen. Laut Veranstaltungsinitiatorinnen empfiehlt es sich so viele Zutaten wie möglich in der Bio-Variante zu wählen. Fündig dabei werden Interessierte am besten in entsprechenden Bioläden, Supermärkten, Apotheken und Reformhäusern oder es wird bequem von zuhause aus über den Online-Versand bestellt, wie z.B. www.dragonspice.de.

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Darum kann auch bei selbstgemachter Kosmetik ist nicht wirklich von zero waste die Rede sein kann. Nichtsdestotrotz lohnt es sich einmal selbst individuellen Haut- und Pflegeprodukten zu versuchen, denn sie eignen sich auch prima als originelle Geschenkidee für Freunde und Verwandte. Auch wenn der Umwelt damit nicht hundertprozentig Verpackungsmüll erspart wird, lässt sich auf diese Weise zumindest der Industrie ein Schnippchen schlagen.

Weitere nützliche Anregungen und Rezepte finden sich hier:

www.smarticular.de

https://langsamerleben.wordpress.com/

https://nachhaltigleben.ch/